Kleine Pflanzenkunde

Willkommen in der kleinen Pflanzenkunde - deinem grünen Kompass für mehr Naturwissen und überraschenden Entdeckungen!

Hier geht`s nicht nur um trockenes Fachwissen, sondern um die lebendige Welt der Pflanzen, die direkt vor deiner Haustür wächst und manchmal sogar besser schmeckt als dein Lieblingssnack.

Mach dich bereit für spannende Geschichten, verblüffenden Fakten und die eine oder andere Überraschung, die dich zum Staunen und Schmunzeln bringt. Ob du Pflanzenprofi bist oder einfach nur neugierig, was da draußen so alles grünt und blüht - hier findest du frische Einblicke und Inspirationen für deinen Alltag.

Also, schnapp dir deine Lupe, öffne die Sinne und lass uns gemeinsam die grünen Wunder entdecken - ganz ohne grünen Daumen, aber dafür mit ganz viel Spaß.

 „Die Heilkräfte der Pflanzen sind ein Geschenk, das wir mit Respekt und Bedacht nutzen sollten.“ (Sebastian Kneipp)

Bärlauch - warum plötzlich alle im Wald verschwinden und komisch riechen

Jedes Jahr im Frühjahr passiert etwas Faszinierendes: Sobald Bärlauch wächst, zieht es auffällig viele Menschen nach draußen.
Leute, die sonst nie "einfach so" im Wald unterwegs sind, stehen plötzlich mit leuchtenden Augen zwischen grünen Blättern und denken "Jackpot". Und ja...man riecht es ihnen später auch an :)

Was steckt eigentlich wirklich dahinter?
Bärlauch ist nicht nur ein Trend-Frühlingskraut, sondern ein echtes Kraftpaket aus der Natur.
Traditionell wird er vor allem für seine Wirkung auf den Stoffwechsel, der Verdauung und das Herz-Kreislauf-System geschätzt.
Kurz gesagt - der Körper bekommt einen kleinen "Frühjahrs-Reset".


Warum eigentlich gerade im Frühling?
Nach den eher schweren Wintermonaten bringt Bärlauch etwas Leichtigkeit zurück auf den Teller. Er kann nämlich den Körper wieder in "Schwung" bringen, frische Energie liefern und anregend wirken.... Und ja - manchmal auch die Menschen auf Abstand halten:)

Am intensivsten wirkt Bärlauch frisch, denn je stärker er erhitzt wird, desto mehr wertvolle Inhaltsstoffe gehen verloren.

Und jetzt der wichtige Teil!!!
So beliebt Bärlauch auch ist - beim Sammeln sollte man genau hinschauen. Es gibt Pflanzen, die ihm ähnlich sehen, aber nicht geeignet sind! Im Zweifel lieber einmal mehr prüfen oder stehen lassen, als einmal bereuen.

Fazit: Bärlauch ist eines dieser Kräuter, bei dem Genuss und Nutzen sehr beieinander liegen. Oder anders gesagt - etwas das gut schmeckt und gleichzeitig gut tut, darf man ruhig öfter in den Alltag holen. Und wenn du danach ein bisschen nach Knoblauch riechst? Dann weißt du wenigstens, dass du ihn nicht nur angeschaut hast.

Wenn du also dieses Jahr auch wieder mit leuchtenden Augen durch den Wald läufst, nimm ruhig etwas Bärlauch mit - aber bitte mit Verstand.

 Größe allein ist nicht alles

Es kommt nicht immer auf die Größe an und schon gar nicht bei einigen Wildkräutern.

Oft begegnet man an Feldrändern oder freien Wiesen zum Beispiel große kräftige Löwenzahnpflanzen. Doch dabei ist Vorsicht geboten, denn dieser  kräftige Wuchs deutet nicht unbedingt auf eine üppige Heilwirkung!
Der Löwenzahn ist zum Beispiel eine Zeigerpflanze für stickstoffreiche Böden. Gerade an Feldrändern oder landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Flächen ist der Boden oft stark  überdüngt. Das kann man an den üppig wachsenden Pflanzen, mit viel Blattmasse, erkennen. Zu viel Stickstoff im Boden kann dann  zu einer erhöhten Nitratkonzentration in den Pflanzen, wie zum Beispiel im Löwenzahn führen, was wiederum die menschliche Gesundheit gefährden kann. 
 
Also, lieber die kleineren  Pflanzen ernten und genießen, denn die haben dafür die besseren Inhaltsstoffe.

 

Klein, aber oho!

Das Gänseblümchen gehört zu den bekanntesten Wildblumen Europas und ist wohl die bescheidenste Berühmtheit unter unseren heimischen Pflanzen.
Es wächst einfach überall, lässt sich weder von spielenden Kindern noch vom Rasenmäher aus der Ruhe bringen.
Man könnte fast sagen, wenn Gelassenheit eine Blume wäre, dann wäre es das Gänseblümchen!


Während andere Pflanzen sich mit auffälligen Farben oder betörenden Düften ins Rampenlicht drängen, denkt sich das Gänseblümchen nur, dass es lieber ganz schlicht aber dafür überall bleiben möchte.


Und ganz ehrlich: Wer hat schon einmal einem Gänseblümchen die große Frage überlassen: "Er liebt mich, er liebt mich nicht...?" Das ist sozusagen Romantik auf botanisch.


Schon früher war das Gänseblümchen mehr als nur hübsch anzusehen. Es galt als Helferin der Natur und wurde in verschieden Traditionen geschätzt. Ganz unauffällig, aber dafür wirkungsvoll. Ein bisschen so wie ein guter Rat, den man erst später wirklich versteht.


Und der Rest? Nun ja...das ist nur die Oberfläche. Das Gänseblümchen kann tatsächlich mehr, als man ihm auf den ersten Blick zutraut. wer neugierig ist, entdeckt schnell, dass in dieser Blume erstaunlich viel Wissen steckt - gerade, wenn es um Gesundheit und Wohlbefinden geht... 

Holunder - Heilpflanze 2024

Der Holunder gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) und ist weltweit mit ca. 40 verschiedenen Arten vertreten. Davon sind drei Holunderarten in Mitteleuropa heimisch:

  • Roter bzw. Traubenholunder
    (Sambucus racemosa)
  • Strauch -bzw. Zwergholunder
    (Sambucus ebulus)
  • Schwarzer Holunder
    (Sambucus nigra)


In der Heilkunde wird nur der Schwarze Holunder verwendet. Dieser erreicht eine Höhe von 3-7 Metern und kann max. 100 Jahre alt werden. Er ist ein Flachwurzler, Stickstoffanzeiger und eine phänologische Zeigerpflanze.

Die Rinde ist in jüngeren Jahren grün und wird später korkartig, hellbraun bis graubraun. Die zahlreichen warzenartigen Punkte auf der Rinde nennt man Lentizellen, welche wichtige Atmungsorgane sind und den Gasaustausch mit dem  Zweiginnern ermöglichen. 

Bereits ab Februar treiben fünfzählige, unpaarig gefiederte Blätter, die länglich bis oval und scharf gesägt sind. Ihr Blattsaft ist sehr zuckerreich und lockt Blattläuse an, welche wiederum Ameisen anziehen.

Zweimal im Jahr bietet der Holunder eine zahlreiche Ernte. Im Frühsommer offenbart er ein Blütenmeer von cremeweißen Scheindolden. Jede dieser Dolden ist aus unzähligen kleinen Blütensternen zusammengesetzt, wobei jede Einzelblüte 3-5 zählig und mit gleich großen Kronzipfeln ist. Die Blütenstände sind enorm reich an Blütenpollen und verströmen einen intensiven, betörenden Duft, der am Abend am stärksten ist. Ab August wachsen daraus saftige und enorm vitaminreiche Steinfrüchte, die anfangs grün sind und sich später rötlich-braun bis zuletzt violett-schwarz färben. Ihr Saft ist burgunderrot.

Die Blüten des Holunder verfügen über schweißtreibende, fiebersenkende, schleimlösende und entzündungshemmende Eigenschaften. Die reifen blauschwarzen Beeren haben immunstärkende, antivirale, antineuraglische und antioxidative Heilwirkungen. Die Blätter sind harntreibend. Rinde und Wurzeln wirken abführend und harntreibend. 

Den Schwarzen Holunder findet man vom Flachland bis ins Gebirge (bis 1500m), in Laubwäldern, Hecken, Gebüschen, Lichtungen, Schuttfluren, Gärten, Parkanlagen und vor allem in der Nähe von menschlichen Behausungen (was seine Gründe hat :-D).

Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)

Scharbockskraut ist die alte, volkstümliche Bezeichnung für Skorbut. Diese Vitamin-C-Mangelkrankheit endete vor allem bei Seefahrern des Mittelalters tödlich, da sie oft lange Zeit auf Frischkost verzichten mussten.  Die positiven Eigenschaften des Scharbockskrautes konnten Skorbut jedoch heilen und diese Krankheit später sogar vermeiden, denn dieses Kraut enthält auf 100g drei Mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone. 

Vor der Blüte ist das Scharbockskraut eine Bereicherung für die frische Küche (Kräuterbutter, Salate, Gemüse). Nach der Blütezeit steigt der Gehalt an Protoanemonine in den Blättern und kann zu Reizungen in den Schleimhäuten führen.

Scharbockskraut gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse und sprießt im Frühjahr als eines der ersten Wildkräuter.


Nadelbäume - ungeahnte Aromen

Es klingt sicherlich für einige befremdlich, wenn ich sage, dass man Nadeln in der Küche verwenden kann. Aber sie stecken voller anregender Aromen und wertvollen Inhaltsstoffen.

Doch nicht nur die Nadeln, sondern auch andere Teile der ungiftigen Nadelbäume sind verwendbar: Vom Harz fürs Räuchern oder für einen Hustenbalsam, über die innere Rinde als Streckmehl, bis hin zu den Zapfen für Sirup und Likör gibt es vielerlei Verwendungsmöglichkeiten. Und im Gegensatz zu den Laubbäumen sind sie das ganze Jahr verfügbar.

Geschmacklich variieren die einzelnen Nadelbäume stark: Die Waldkiefer beschenkt uns mit einem leicht pfeffrigen, die Douglasie mit einem mandarinen-ähnlichem und die Fichte mit einem intensiv-zitronigen Aroma.

Trotzdem ist Vorsicht beim Sammeln geboten, denn es gibt auch hochgiftige Nadelbäume, wie beispielsweise die Eibe oder Nadelbäume, welche mit Pestiziden besprüht wurden.